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November 2006


Der Kopierschutz ist tot, es lebe der Kopierschutz

Schlechte Neuigkeiten anzukündigen ist langweilig. Fieser ist es, Gutes zu prognostizieren, um es anschließend wieder zurückzunehmen. Und DRM für tot zu erklären, um im nächsten Satz den Nachfolger anzukündigen – naja, es wäre ja auch zu schön gewesen.

Paul Birch vom internationalen Verband der Phonoindustrie IFPI läutete die Begräbnisglocken über dem Kopierschutz: „DRM as we know it is over.“ Eine „andere Sache“ sei aber seine Wiederauferstehung: „There may be a Son of DRM“. Eine schöne Metapher, die man ansonsten mit wiedererstehenden Monstern in Horrorfilmen assoziiert.

Das neue Modell sei „Partnerschaft“ – was im IT-Bereich funktioniere, müßte auch bei den rivalisierenden Labels erfolgreich sein. Auf Nachfrage klärt Birch auch gern nochmals auf, dass er durchaus mit einem DRM 2.0 rechne: Es sei naiv zu glauben, dass Rechte irgendwann ungeschützt seien.

Mit Lerneffekten aus Sonys Rootkit-Debakel oder der „Plays For Sure“-Peinlichkeit im Haus Microsoft ist damit wohl weiter nicht zu rechnen. Aber einen Satz lang hat man wenigstens träumen dürfen.

Microsoft Plays For Maybe: Selber schuld….

…wer sich bei Microsofts MSN Music Store „Plays for Sure“-verkrüppelte Mucke gekauft hat. Selber schuld auch, wer sich den neuen Zune-Player von Microsoft kaufen will, der ein eigenes, neues DRM bekommt. Und selber schuld, wer sich weiterhin bei MS verkrüppelte Musik shoppt.

„Da Zune ein separates Angebot ist und kein Teil des Plays for Sure-Ökosystems, wird Zune-Inhalt nicht von Plays For Sure-Geräten unterstützt“,

zitiert die BBC einen MS-Sprecher.

Und die Vorschläge, „Plays for Sure“ doch in ein „Plays for Sure (ehrlich!)“ umzubenennen – naja, die Kunden, die jetzt noch auf DRM setzen, die werden sich von so einem Slogan auch nicht mehr abschrecken lassen. Danke, Microsoft, bessere Argumente gegen DRM kann man sich gar nicht überlegen wie jene, die ihr einfach grade schafft.

„In drei Jahren sind die Majors DRM-frei.“

Wer so spricht, ist ein Insider: Peter Jenner, unter anderem Manager von Pink Floyd. Und er äußert nicht seine private Meinung, sondern gibt wieder, was die Chefs der vier Majors auf der „In the City„-Konferenz langsam zu begreifen schienen. Die Zukunft sieht Jenner in Musikflatrates – ohne DRM.

„Bei DRM, denke ich, haben sie kapiert, dass es einfach nicht funktioniert. Die Leute mögen die CDs nicht, sie finden Umghehungsmöglichkeiten, die mögen DRM nicht, sie nutzen die DRM-Dienste nicht, sie nehmen übel, wenn Abodienste gelöscht werden.“

Die Folge: in zwei, drei Jahren werden sich laut Jenner Musikflatrates ohne DRM durchsetzen, da die jetzigen Modelle nicht mehr funktionieren – die Kunden finden auf andere Weise ihre Wunschmusik wie noch vor Jahren, das Prinzip des Probierens vor dem Kauf funktioniere aber nicht, wenn ein Track regulär einen Euro kostet. Wie die technische und rechtliche Umsetzung aussieht, sieht er noch im Unklaren.

„Ich denke, es wäre herrlich, wenn die Regierung alle in einen Raum sperren würden – Industrie, Verbände, Künstler, Musiklabels und die Provider – und ihnen sagt, sie würden erst wieder rausgelassen, wenn das Problem gelöst ist.“

Die Lösung sieht er in Kulturflatrates, die gegen Abogebühr Filesharing legalisieren. Die Abgaben seien notwendig – trotz der harschen Kritik an den unbeweglichen Labels hält Jenner den Ansatz, nicht mehr an der Musik selbst zu verdienen, für unrealistisch.

„Die „Freiheits“-Vertreter wollen uns weismachen, ich müsse nur rausgehen und mehr T-Shirts verkaufen – das ist ein Argument, das ich schlicht als Beleidigung empfinde.“

Trotzdem: man will ihm wünschen, eine zutreffende Prognose gestellt zu haben.